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Wenn sich drei tiefenentspannte Menschen ohne Plan und Ziel daran machen, ein Album einfach mal in kompletter Eigenregie zu schreiben und aufzunehmen, kann es sich vermutlich nur um eine Band namens A Tale Of Golden Keys handeln. In ihrem etwas in die Jahre gekommenen und eher unbewohnbaren Haus im fränkischen Ort Eckersmühlen haben sie über mehrere Monate heimlich still und leise ihr neues Album „The Only Thing That’s Real“ (VÖ: 30.10.2020 via Listenrecords) fertig gestellt. 

Mit akribischer technischer Vorbereitung und dem mit freundschaftlichem Rat zur Seite stehenden Musikproduzenten Jan Kerscher haben Hannes Neunhoeffer, Florian Dzialjo und Jonas Hauselt damit ihr bisher wohl vielseitigstes Werk geschaffen. Befreit von eigenen Konventionen und musikalischer Vergangenheit haben sie einfach gemacht, was ihnen gerade in den Sinn kam. Allen Songs hört man diese Unbedarftheit und neue Freiheit an – sie strotzen nur so vor gesundem Selbstbewusstsein und musikalischer Entdeckungsfreude. 

Ein Song wie das locker flockige „Whirling“ wäre in früheren Schaffensphasen der Band wohl gar nicht erst entstanden. Dass dann mit der Nürnbergerin Elena Steri auch noch ein stimmlicher Gast einen prominenten Platz bekommt, spricht ebenfalls für den neuen Geist der Produktion in Eigenregie. 

 

Los geht „The Only Thing That’s Real“ mit dem treibenden „Gin Tonic State Of Mind“. Alleine der Titel des Songs gibt gleich mal die Richtung des Albums vor. Selbstverständlich vergessen A Tale of Golden Keys trotzdem nicht ihre Gabe, wunderschön melancholische Melodien zu schaffen – „Nothing fades as fast as sunlight at dusk“. 

Mit „Hockey Pants“ folgt eine poppig hüpfende Synthie-Nummer mit großem A Tale Of Golden Keys-Refrain. Synthies? Ja, richtig gehört. Auch an den Instrumenten haben sich die drei Franken ausgetobt und damit eine erfrischende Abwechslung auf die Platte gebracht. 

Das anschließende „All Banks Are Dry“ ist ein so klarer und schöner Popsong, dass es einem im passenden Moment durchaus mal die Tränen in die Augen treiben kann. Das Cello von Marie-Claire Schlameus verleiht dem Stück eine fast schon heilende melancholische Stimmung, ohne dabei irgendetwas balladeskes zu haben. 

Mit „Hostility“ und „+“ haben es auch zwei Quarantäne-Werke auf das Album geschafft. „My head is in quarantine. My heart is taking the fall. I close the door, don’t look outside” dürfte vielen Menschen aus den letzten Monaten durchaus bekannt vorkommen. 

Doch weil auf Regen bekanntlich Sonnenschein folgt, könnte danach nichts Passenderes kommen als “Rainbow Melancholy”: Die tröstende Ballade braucht sich vor Größen dieser Zunft wie Sufjan Stevens & Co nicht zu verstecken. 

 

Haben A Tale Of Golden Keys auf ihrem Debütalbum im Jahr 2015 mit “All Of This” so etwas wie die traurige Anti-Hymne schlechthin geschaffen und damit alleine beim Streamingdienst Spotify schon über vier Millionen mal Gehör gefunden, setzen sie nun mit “Cars” noch einen oben drauf: Es ist einer dieser Songs, zu denen man mit ausgestreckten Armen durch eine endlose Allee radeln möchte. Aber Achtung, es folgt mit “No Endodontic Treatement” eine amtliche Bodenwelle, die einem das Adrenalin in den Bauch schießen lässt. Dieser Ausflug in die 90er ist ein echtes Highlight auf “The Only Thing That’s Real”, kein Wunder also, dass der Albumtitel aus den Lyrics zu diesem Song stammt. Mit einem “Golden bucket of pocorn” auf dem Schoß läuft man danach direkt in die Drum Machine von “Wrong” – einen besseren vorletzten Albumsong könnte man wohl kaum schreiben: Hier ist nochmal alles drin, was einem auf den vorherigen Songs begegnet ist: Gitarren, Synthies, Melancholie und Aufbruch. 

Das abschließende “Books” ist der perfekte Song für den Abspann. Benommen bleibt man sitzen und starrt auf die sich bewegende Schrift. Und dann ist es zu Ende. 

 

Mit “The Only Thing That’s Real” setzen A Tale Of Golden Keys ihrer bereits beachtlichen Diskographie ein Krönchen auf. Angefangen mit ihrem Debütalbum „Everything Went Down As Planned“ (2015) über den gefeierten Zweitling „Shrimp“ (Februar 2018) bis hin zum Soundtrack „Tyry (Music for the Film)“ im Jahr 2019 zählt das Trio ohne Zweifel zu den etablierten Indie-Bands aus Deutschland. Neben ihrem musikalischen Output bestechen sie dabei auch mit ihrer selbstironische Art. Der spezielle Humor der Band zeigt sich nicht nur in der Interaktion mit dem Publikum, sondern auch in der Bildsprache; so werden die drei Bandmitglieder auf dem Cover des Debütalbums von Dinosauriern verspeist und auf dem zweiten Album „Shrimp“ ist selbstverständlich eine Taube abgebildet. Auf dem Cover von “The Only Thing That’s Real” führen A Tale Of Golden Keys nun logischerweise ein Axolotl an der Leine durch eine stilisierte Landschaft aus Blumen, Schmetterlingen und Regenbögen.

© 2020 A Tale of Golden Keys

all photos by Mari Ferrari